Generationenwechsel

Früher, also gestern, habe ich immer geglaubt, der Generationenwechsel sei etwas für die Alten Kollegen meiner Firma (ein Softwarehersteller in Hannover) und damit meine ich die ganz Alten, also die Pharaonen unseres Hauses. Doch über die Jahre hat sich der Generationenwechsel still und leise an mich herangeschlichen, jetzt ist er da und trifft mich ganz unvorbereitet, denn ich bin jetzt selbst "ein Alter".

Ich sehe plötzlich die jungen Kollegen wie sie mir morgens im Gang zum Arbeitsplatz mit Kopfhörer und Basecap entgegen kommen. Gott sei dank, haben sie alle samt ihr Smartphone in der Hand und sind am "tickern", sodass ich nicht in die Verlegenheit komme sie grüßen zu müssen. Sobald ich an ihnen vorbei gehe denke ich bei mir: "sollte er nicht lieber nach Hause gehen und sein Kinderzimmer aufräumen?".

Aber keine Sorge, auch meine Abteilung hat so ein Exemplar abbekommen, ich nenne ihn den "Bärtigen", da ich mir seinen ausgefallenen Namen einfach nicht merken kann, ich glaube Jan heißt er. Früher hießen sie Andreas, Thomas oder Jens - verrückt!

Ich mag diesen lockeren und legeren Style der jungen Leute sehr und daher habe ich nun auch schon seit langer Zeit meinen Anzug und das weiße Hemd gegen ein ausgewaschenes Shirt und Chucks ausgetauscht - ich bin hip.

...und alt...

...aber hip...

...hip und alt... ok ok... lassen wir das.

Jedoch vermag die äußere Verwandlung in einen alternden Hipster nicht über meine innere Einstellung hinwegzutäuschen, mein ausgeprägtes Wertebild. Auch wenn es in der heutigen Zeit vielleicht etwas aus dem Rahmen gefallen wirkt, ich lege immer noch großen Wert auf Pünktlichkeit, Sauberkeit, Gewissenhaftigkeit und und und - Ihr wisst was ich meine. Genau diese schönen und von mir gehegten Attribute sehe ich immer mehr schwinden, denn die schöne neue Hipster-Welt hat andere Ideale. Es werden nun YouTuber wie LeFloyd verehrt, ich hingegen habe zu dieser Zeit "Pünklichkeit" verehrt oder den Kanal von "Respekt" aboniert, auch dem Blog von "Zuverlässigkeit" folge ich immer noch und spendiere regelmäßige Likes.

Natürlich frage ich mich auch immer wieder, ob nicht dieser Wandel der Wertvorstellungen in den Generationen eine konsequente und zu erwartende Folge von etwas ist, nämlich dem Drang der 68er Generation nach Erfolg und Wohlstand? Vielleicht ist es auch die unausweichliche Gegenreaktion unserer Kinder gegen eben diesen spießigen Drill ausnahmslos Erfolgreich zu sein, etwas geschafft zu haben im Leben?

Die neue Generation ist anders. Es ist nicht mehr wichtig ein fettes Auto vor der Tür stehen zu haben, das Fahrrad tut es auch. Es scheint auch unwichtig zu sein wie erfolgreich man im Job ist, denn der Job ist nicht alles im Leben und 80% zu geben reicht eben auch aus.

Bei genauerer Betrachtung, fällt mir immer wieder auf, das aber genau diese Lebenseinstellung die gesündere und wertvollere ist, denn wohin haben uns denn die eigenen Werte gefürt? Das Klima ist kaputt, jeder wirtschaftet rücksichtslos in die eigene Tasche und und und.

Vielleicht sollten wir Alten uns bei der neuen Generation etwas abgucken - es kann nicht schaden.

/do

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